Hautinfektionen nach Tätowierung

aus Heft 6, 2012 (als PDF verfügbar)

 

In Rochester, im Staat New York, wurde im Januar 2012 ein 20-jähriger Patient von einem Dermatologen wegen einer ungewöhnlichen Hautinfektion untersucht. Er war am Arm einige Monate zuvor tätowiert worden, seitdem hatte sich eine entzündliche Reaktion im Bereich der Tätowierung entwickelt, die zunächst vom Hausarzt ohne Erfolg mit Glukokortikoiden behandelt worden war. Durch eine histopathologische Untersuchung und Kultur einer Hautbiopsie konnte der ursächliche Erreger nachgewiesen werden. Es handelte sich um Mycobacterium chelonae. Das atypische Mykobakterium ist insgesamt ein seltener Erreger von Hautinfektionen, im Zusammenhang mit Tattoo-assoziierten Infektionen wird es jedoch zunehmend häufig beschrieben. Eine Untersuchung des Tätowierungsstudios zeigte, dass dort im Arbeitsablauf keine Mängel herrschten und die hygienischen Voraussetzungen eingehalten wurden. Allerdings war der Patient mit einer Farbe behandelt worden, die mit dem Erreger offenbar schon bei Lieferung kontaminiert war. Durch gezielte Untersuchungen konnten insgesamt 19 Kunden des Studios ermittelt werden, die ähnliche Beschwerden hatten. Bei fast allen gelang durch detaillierte mikrobiologische Untersuchungen der Nachweis des Mykobakteriums. Der Erreger erwies sich als empfindlich gegenüber Clarithromycin (KLACID u.a.) und Doxycyclin (VIBRAMYCIN u.a.). Bei entsprechender Behandlung gingen die Symptome zurück. Die Zeit bis zur Besserung war allerdings individuell sehr variabel.

 

FOLGERUNG DER AUTOREN:

 

Der Ausbruch zeigt, dass auch unter guten hygienischen Bedingungen in den Studios Komplikationen durch eine Tätowierung auftreten können, weil offenbar die verwendeten Farben nicht ausreichend kontrolliert werden. Mycobacterium chelonae ist bereits mehrfach in den USA und in Europa als Erreger von Tattoo-assoziierten Hautinfektionen nachgewiesen worden. Die Infektionen können mit Makroliden oder Tetrazyklinen behandelt werden, eine mikrobiologische Diagnostik sollte jedoch zuvor erfolgen.

 

KENNEDY, B.S. et al.NEJM 2012; 367:1020-1024

 

 

 

 

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