Metronidazol hemmt nicht den Alkoholabbau

In mehreren Studien und Fallberichten ist von Disulfiram-ähnlichen Unverträglichkeitsreaktionen nach dem Genuss alkoholischer Getränke bei geichzeitiger Gabe von Metronidazol (CLONT u.a.) berichtet worden. Als Ursache ist eine Anreicherung von Acetaldehyd durch Hemmung der hepatischen Aldehyddehydrogenase vermutet worden. Da es sich insgesamt nur um wenige Fälle handelt, die nicht als gesichert anzusehen sind, untersuchten finnische Wissenschaftler die mögliche Interaktion erstmals systematisch bei 12 gesunden Männern. Die Freiwilligen erhielten fünf Tage lang entweder Metronidazol in einer Dosierung von 3 mal täglich 200 mg oder Placebo und dann 0,4 g Alkohol pro kg Körpergewicht in Form einer 10%igen Lösung. Anschließend wurden innerhalb von 4 Stunden alle 20 Minuten Blutproben zur Bestimmung der Alkohol- und Acetaldehyd-Konzentrationen abgenommen. Darüber hinaus wurden engmaschig Blutdruck, Herzfrequenz und Hauttemperatur gemessen, um Zeichen einer möglichen Disulfiram-ähnlichen Reaktion zu erfassen. Keiner dieser Parameter deutete auf eine entsprechende Interaktion hin. Es gab keinen Unterschied zwischen den Personen mit Placebo und denen mit Metronidazol-Einnahme.

 

FOLGERUNG DER AUTOREN:

 

Bei einer zahlenmäßig begrenzten Gruppe von Personen ergab sich kein Anhalt auf eine Hemmung des Alkoholmetabolismus durch Metronidazol (CLONT u.a.). Allerdings lässt sich nicht mit Sicherheit ausschließen, dass bei speziell empfindlichen Patienten eine Interaktion auftreten kann, die aber wohl nicht durch eine Hemmung der hepatischen Aldehyddehydrogenase erklärt werden kann. 

 

Visapää JP, Tillonen JS, Kaihovaara PS, Salaspuro MP.

Lack of disulfiram-like reaction with metronidazole and ethanol.

 Ann Pharmacother. 2002;36(6):971-4.

 

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