VIRIP – ein Peptid mit antiretroviralen Eigenschaften

Als VIRIP (= virus inhibitory peptide) wird von den Entdeckern ein neues Peptid bezeichnet, das aus dem Hämofiltrat von Dialysepatienten gewonnen wurde. Ähnlich wie Enfuvirtid (FUZEON), ein seit einigen Jahren zur antiretroviralen Therapie angewandtes synthetisches Peptid, blockiert auch dieser physiologische Faktor durch Interaktion mit dem gp41-Fusionspeptid den Eintritt von HIV in die Zellen des menschlichen Körpers. Virologen aus Ulm haben diesen Faktor erstmals beschrieben. Es handelt sich um ein Peptid aus 20 Aminosäuren, das exakt der Sequenz der Aminosäuren in den Positionen 353 bis 372 aus dem α1-Antitrypsin des Menschen entspricht. Das Antitrypsin ist ein Kontrollprotein bei vielen physiologischen Prozessen, vor allem ist es aber bekannt durch seine Schutzfunktion der Lunge gegenüber der Elastase aus Neutrophilen. Auch dieses Protein hat eine antivirale Aktivität, die aber geringer ist als die des Peptids. Die inhibitorische Konzentration des VIRIP (IC50) wurde mit etwa 20 µM ermittelt, sie ließ sich durch gezielten Austausch einzelner Aminosäuren weiter erhöhen. Besonders bemerkenswert ist, dass VIRIP auch gegen HIV-Mutanten aktiv ist, die gegen die bisher üblichen antiretroviralen Wirkstoffe – einschließlich Enfuvirtid – resistent sind. Der neu entdeckte Wirkstoff besitzt ein Potenzial als Ausgangsstoff für neue antiretrovirale Medikamente. Die übliche, mehrjährige Entwicklungszeit wird allerdings notwendig sein, bevor aus diesem körpereigenen Faktor ein therapeutisch verwendbarer Arzneistoff geworden ist. 
 
FOLGERUNG DER AUTOREN:

 

Ein Peptid aus dem Hämofiltrat von Dialysepatienten zeigte bei in vitro-Tests eine bemerkenswerte antiretrovirale Aktivität durch Hemmung der Fusion zwischen HIV und humanen Zellen. Das neue Wirkprinzip könnte zu einem Ausgangspunkt für neue Arzneistoffe zur Behandlung von HIV-infizierten Patienten werden.

MÜNCH, J. et al.
Cell 2007; 129: 263 - 275

 

 

 

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